Kohlenstoffbudget

Es wird geschätzt, dass menschliche Aktivitäten eine globale Erwärmung von etwa 1,0°C über dem vorindustriellen Niveau verursacht haben, mit einer wahrscheinlichen Bandbreite von 0,8°C bis 1,2°C. Die globale Erwärmung wird wahrscheinlich zwischen 2030 und 2052 1,5 °C überschreiten, wenn sie weiterhin mit der derzeitigen Geschwindigkeit zunimmt (hohes Vertrauen) (Rogelj et al., 2018b). Der Weltklimarat veröffentlichte 2018 den Sonderbericht SR15, in dem in Kapitel zwei "Mitigation Pathways Compatible with 1.5°C in the Context of Sustainable Development" das weltweite Kohlenstoffbudget angegeben wird. In dem Sonderbericht ist zu lesen, dass zur Begrenzung der globalen Erwärmung eine Begrenzung der gesamten kumulierten globalen anthropogenen CO2-Emissionen seit der vorindustriellen Zeit erforderlich ist (IPCC SR15).

Ausgehend von einem Wert für die transiente Klimareaktion auf kumulative Kohlenstoffemissionen, auch TCRE genannt (Collins et al., 2013; Rogelj et al., 2016), wird das Kohlenstoffbudget durch die Menge an CO2 - Emissionen berechnet, die mit einer Begrenzung des Temperaturanstiegs vereinbar ist. Zur Schätzung des verbleibenden Kohlenstoffbudgets, das mit einer globalen Erwärmung von 1,5 °C vereinbar ist, wird sich entweder auf die ungefähre lineare Beziehung zwischen der globalen Mitteltemperatur und den kumulativen Kohlenstoffemissionen (Collins et al., 2013) oder auf die Gleichgewichts-Klimasensitivität gestützt (Schneider et al., 2017).

Um mit der größtmöglichen Wahrscheinlichkeit, mit 67%, unter einer globalen Erhitzung von 1,5°C zu bleiben, durfte insgesamt seit Beginn des Jahres 2018 noch 420 Gt CO2 emittiert werden. Ab dem Jahr 2021 ist das Kohlenstoffbudget auf ungefähr 300 Gt gesunken, da die Welt jährlich etwa 37,1 Gt emittiert (NOAA/ESRL's Global Monitoring Division). Der Umfang des verbleibenden Kohlenstoffbudgets ist mit großen Unsicherheiten behaftet, die von mehreren Faktoren abhängen, wie z. B. der Unsicherheit der Klimaempfindlichkeit gegenüber CO2-Äquivalent-Emissionen. Diese Klimareaktionen können bis zu ± 400 Gt CO2 beitragen. Darüber hinaus gehen die Wissenschaflter*innen von einer Unsicherheit von ± 250 Gt CO2 aufgrund des Ausmaßes der historischen Erwärmung aus. Rückkopplungen wie das Auftauen von Permafrostböden und die Methanfreisetzung aus Feuchtgebieten sind weitere Unsicherheitsfaktoren. Sie reduzieren die Budgets um bis zu 100 Gt CO2. Die größten Unsicherheiten beziehen sich auf die TCRE, die Nicht-CO2-Emissionen, den Strahlungsantrieb und die Reaktion (Rogelj et al., 2018b).


Deutschlands CO2-Budget

Deutschland gehört zu den 197 Unterzeichnern des Pariser Abkommens, das alle Vertragsparteien dazu verpflichtet, durch national festgelegte Beiträge ihre besten Anstrengungen zu unternehmen, um den globalen Temperaturanstieg in diesem Jahrhundert deutlich unter 2° C über dem vorindustriellen Niveau zu halten und die Bemühungen fortzusetzen, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Der national festgelegte Beitrag Deutschlands ist das Ziel von Netto-Null-Emissionen im Jahr 2045. Um mit einer Wahrscheinlichkeit von 67% unter 1,5 Grad zu bleiben, darf die Weltbevölkerung ab dem Jahr 2018 noch insgesamt 420 Gigatonnen emittieren. Von diesem Restbudget kann Deutschland den Anteil beanspruchen, der dem deutschen Anteil an der Weltbevölkerung entspricht, demzufolge 1,1 %. Der Zeitpunkt des Beginns der Verteilung des Kohlenstoffbudgets ist umstritten. Einige Länder des Globalen Südens fordern die Budgetverteilung ab dem Zeitpunkt, wo die Folgen des Klimawandels allgemein bekannt sind (d.h. seit dem ersten IPCC-Bericht im Jahr 1990). Dieses für Deutschland noch verfügbare Emissionsbudget von 1990 ist bereits vollständig aufgebraucht. Daher nehmen die Forscher*innen das Pariser Klimaabkommen als Verteilungsdatum. Nach dem Budgetansatz konnte Deutschland dementsprechend ab Anfang 2016 4,6 Gigatonnen CO2 emittieren. Von Anfang 2016 bis Anfang 2019 hat Deutschland 2,4 Gt dieses verbleibenden Kohlenstoffbudgets verbraucht, da jährlich 0,8 Gt emittiert wird. Bei einer linearen Reduktion der CO2e-Emissionen um 10 % jährlich werden die restlichen 2,2 Gt bis 2030 verbraucht sein. Um den Handlungszeitraum zu verlängern ist eine schnellere zeitnahe Reduktion, z.B. durch die vorzeitige Abschaltung von Kohlekraftwerken, notwendig.

Der Climate Action Tracker Deutschland, eine unabhängige wissenschaftliche Analyse für staatliche Klimamaßnahmen, bewertet die Klimapolitik wie folgt: "Das im Dezember 2019 verabschiedete Klimaaktionsprogramm 2030 der Bundesregierung enthält nicht genügend politische Maßnahmen, um die eigenen, veralteten und unzureichenden Emissionsminderungsziele für 2020 und 2030 zu erreichen."

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